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Im Juli 1887 erhält Dr. Watson Post von einem ehemaligen Schulkameraden, welcher ihn und Sherlock Holmes verzweifelt um Hilfe bittet: Percy Phelps war bereits zu seiner Schulzeit ein strebsamer junger Mann. Seine Kameraden machten sich, wie Watson im Gespräch mit seinem Freund zugibt, jedoch gerne einen Spaß daraus, ihn ob seiner Herkunft zu ärgern, oder ihm deswegen Streiche zu spielen. Der Grund: Mr. Phelps ist der Neffe des derzeitigen britischen Außenministers Lord Holdhurst. Auf dessen Fürsprache hin hat er nun selbst seit einigen Jahren eine Anstellung im Außenministerium. Sein Onkel und auch seine übrigen Vorgesetzten waren bisher voll des Lobes über seine dienstlichen Leistungen und sein Pflichtbewusstsein. So hat er wiederholt heikle und vertrauliche Aufgaben erhelten. Und genau um solch eine Aufgabe geht es, wie die Herren erfahren, als sie im Hause ihres neuen Klienten eintreffen: Dieser berichtet, dass er vor kurzem ins Büro seines Onkels bestellt wurde. Der Außenminister lobte erneut die gute Arbeit seines Neffen und übergab ihm einen weiteren, heiklen Auftrag: Kurz zuvor war ein Flottenvertrag zwischen Großbritannien und Italien unter strengster Geheimhaltung abgeschlossen worden. Der Vertrag regelt das Verhalten Großbritanniens für den Fall, dass die französische Flotte im Mittelmeer stärker als die italienische Flotte werden sollte und ist eine politische Reaktion auf den Dreibund.

Nichts darf über dieses Dokument oder seinen Inhalt an die Öffentlichkeit dringen, da die Machtbalance auf dem Kontinent in Gefahr ist. Am liebsten wäre es dem Lord gewesen, er hätte das Schriftstück überhaupt nicht aus der Hand geben müssen. Nun aber hat sich die Notwendigkeit der Anfertigung einer Abschrift ergeben. Und genau diese sollte Percy anfertigen! Er sollte damit jedoch warten, bis er absolut sicher sein konnte, im Büro alleine zu sein. Und er sollte sich hüten, seinen Kollegen auch nur ein Wort von dem zu sagen, was er soeben erfahren hatte. Original und Abschrift des Flottenvertrages wären am nächsten Morgen dem Außenminister persönlich wieder einzuhändigen. Der junge Mann versprach gute Arbeit und kehrte in sein Büro zurück. Wie er weiters berichtet, wartete er tatsächlich, bis er alleine in seinem Amtsraum war. Sodann holte er die Unterlagen aus seinem Schreibtisch, worauf er mit der Abschrift begann. Dies war jedoch ein schwieriges Unterfangen, da das Dokument sehr umfangreich und in französischer Sprache abgefasst war.

Zudem war der Inhalt höchst umfangreich und in zahlreiche Artikel untergliedert. So kam es, dass die Arbeit nach einigen Stunden erst zu einem Teil beendet war. Mr. Phelps, der schon leicht zu ermüden begann, klingelte daraufhin nach dem Pförtner, um sich von diesem eine Tasse Kaffee bringen zu lassen. Statt des Pförtners erschien jedoch eine ihm unbekannte Dame. Dabei dachte er sich zunächst jedoch nichts, weshalb er den Kaffee bei ihr bestellte. Als er einige Zeit vergebens auf das gewünschte Getränk gewartet hatte, begab sich der junge Beamte nach unten zum Dienstraum des Pförtners. Dort erfuhr er, dass es sich um die Gattin des Angestellten handelte, welche er zuvor im Büro gesehen hatte. Während er noch mit dem Pförtner sprach, schellte plötzlich die Dienstglocke. Und zwar kam das Läuten aus dem Büro von Mr. Phelps! Das registrierte der Ministeriumsangestellte voller Entsetzen! Denn da er vorhin ja dafür gesorgt hatte, allein im Büro zu sein, dürfte sich dort nun, wo er beim Pförtner war, KEIN MENSCH AUFHALTEN! Sofort eilten Mr. Phelps und der Pförtner hoch ins Büro. Dort mussten sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass zwar die noch unfertige Abschrift des Flottenvertrages nach wie vor auf dem Schreibtisch des Beamten lag, das Original jedoch fehlte! Sofort begann man damit, das Gebäude abzusuchen. Dabei stieß man auf einen Seitenausgang, welcher eigentlich abgesperrt sein sollte, und zu welchem nur der Pförtner für den Notfall einen Schlüssel verwahrt. Sofort wurde die Polizei alarmiert. Aber die Gattin des Pförtners war nirgends mehr zu finden. Und das hat eben jenen Nervenzusammenbruch hervorgerufen, welcher Mr. Phelps im Hause seiner Verlobten, Miss Annie Harrison, augenblicklich an das Bett fesselt. Im Hause befindet sich zudem noch Mr. Joseph Harrison, der künftige Schwager von Mr. Phelps. Der junge Beamte weiß nicht mehr ein noch aus. Er hat seinen Onkel, Lord Holdhurst, bereits über den tragischen Zwischenfall informiert, wie er Holmes auf dessen Nachfrage erklärt. Der Meisterdetektiv sucht den Außenminister daraufhin selbst in dessen Amtsräumen auf. Lord Holdhurst erklärt, er schätze seinen Neffen zwar sehr als einen strebsamen, fleißigen Mitarbeiter. Aber dieser Zwischenfall ist zu schwerwiegend, als das er ihm helfen könne.

Was das bedeutet, ist sofort klar: Sollte das Original des Flottenvertrages nicht wieder auftauchen, so ist die Karriere von Mr. Percy Phelps im öffentlichen Dienst beendet! Holmes beginnt sofort mit seinen Recherchen. Dabei stellt sich heraus, dass zwar zurzeit einige hochrangige ausländische Geheimagenten in London aktiv sind. Aber deren Überprüfung verläuft ergebnislos. Genauso endet die Überprüfung des Pförtners und seiner Familie. Der Mann wohnt zwar mit Frau und Kind in äußerst ärmlichen Verhältnissen. Es handelt sich jedoch um durch und durch ehrbare Bürger. Somit hat sich der Pförtner, außer der unerlaubten Öffnung des Seiteneinganges für seine Gattin, welche Reinigungs- und Hilfsdienste im Ministerium verrichtet, keiner Straftat schuldig gemacht. Nun muss Holmes weiterermitteln. Er hat jedoch bereits das Motiv für die ruchlose Tat ergründen können: Es ist Geld! Eines der ältesten Mordmotive der Menschheit! Wie der Meisterdetektiv nämlich durch Lord Holdhurst erfahren hat, würden zahlreiche Länder gewiß eine schöne Summe dafür bezahlen, dieses Dokument in die Hände zu bekommen! Allerdings müsste sich der Dieb mittlerweile ein wenig beeilen. Denn wenn er all zu lange mit dem Verkauf des Vertrages wartet, könnte dieser an Wert verlieren! Jede Vereinbarung kann man schließlich aus welchem Grund auch wieder abändern. Nun ist also klar, dass es sich bei dem Dieb zwar um keinen hochrangigen ausländischen Spion, dafür aber um eine Person handeln muss, welche offenbar Geld nötig hat! Und für Holmes ergibt sich alsbald ein Verdacht, wer das sein könnte! Um dies zu überprüfen, kehrt er rasch ins Haus der Harrisons zurück. Dort fordert er Dr. Watson und Mr. Phelps auf, sich reisefertig zu machen. Der ehemalige Armeearzt soll seinen Schulkameraden für die kommende Nacht in der Bakerstreet 221b unterbringen. Miss Harrison soll jedoch hier im Hause bleiben. Und sie soll sich möglichst so verhalten, als halte sie bei nach wie vor Krankenwache. Der Meisterdetektiv kann zwar zu diesem Zeitpunkt nicht erklären, warum er derlei von seinem Klienten verlangt. Aber Dr. Watson hält die jungen Leute doch dazu an, sich Holmes' Wünschen tunlichst zu fügen. Er kenn seinen Freund mittlerweile schließlich lange genug, um zu wissen, dass diese Absonderlichkeiten stets ihre guten Gründe haben.

So reisen Mr. Phelps und er also nach der Bakerstreet ab, während Miss Harrison weiterhin Krankenwache hält. Am nächsten Morgen trifft Holmes pünktlich zum Frühstück in seiner Wohnung ein. Mr. Phelps sieht furchtbar aus: Er hat vor Aufregung und Sorge kaum geschlafen. Aber im nächsten Augenblick ändert sich seine Stimmung schlagartig: Holmes ersucht ihn nämlich, eine vor ihm stehende Schüssel zu öffnen. Er ist sich, wie er lächelnd erklärt, absolut sicher, dass deren Inhalt den Appetit seines Gastes schlagartig wieder in Schwung bringen wird. Und genau das tut es! Denn in der Schüssel liegt das Original des Flottenvertrages, welches der junge Ministeriumsbeamte mit einem Freudenschrei hervorholt. Er ist jedoch zutiefst bestürzt, als er von den Umständen erfährt, unter welchen Holmes das wertvolle Dokument zurückerobert hat! Der Meisterdetektiv hat sich, nachdem er seinen Klienten und Dr. Watson auf dem Weg in die Bakerstreet wusste, im Zimmer von Mr. Phelps umgesehen. Dabei hat er ein loses Bodenbrett gefunden, unter welchem ein kleiner Hohlraum verborgen ist. In diesem nun lag der Vertrag. Daraufhin hat sich Holmes, wie bereits von ihm geplant, in dem Zimmer versteckt. Sobald Miss Harrison zu Bett gegangen war, und das Licht gelöscht hatte, wurde es draußen vor dem Zimmer, also im Garten, plötzlich lebendig. Eine Leiter wurde an die Mauer gestellt, worauf ein Mann über dieselbe und das offenstehende Fenster ins Zimmer einstieg. Er begab sich zu dem losen Bodenbrett und öffnete es. Im nächsten Augenblick hat Holmes ihn mit einem Sprung in den Rücken überwältigt. Das war keineswegs ungefährlich. Denn der Bursche hatte ein Messer bei sich, mit welchem er nach dem Meisterdetektiv gestossen hat. Dieser Stoß ist jedoch dank der Geschicklichkeit von Holmes ins Leere gegangen. Dafür konnte er Mr. Joseph Harrison, den Angreifer, entwaffnen und zur Aufgabe zwingen. Wie Mr. Phelps nämlich erfährt, ist sein Schwager an jenem Abend, als er das Dokument abschreiben sollte, in seinem Büro erschienen. Das wäre noch nichts ungewöhnliches. Denn wie der junge Beamte bereits den Herren Holmes und Dr. Watson berichtete, war er mit seinem künftigen Schwager zur gemeinsamen Heimfahrt verabredet. Mr. Harrison hat den offenen Seiteneingang bemerkt, durch welchen die Pförtnersgattin das Haus verlassen hat.

Auf diesem Wege ist er ungesehen in das Büro von Mr. Phelps gelangt, während dieser sich beim Pförtner nach dem Verbleib der von ihm bestellten Tasse Kaffee erkundigte. Da sein künftiger Schwager nicht anwesend war, läutete Mr. Harrison an der Dienstglocke, um ihn auf seine Anwesenheit aufmerksam zu machen. Dabei fiel sein Blick auf die Papiere, welche auf dem Schreibtisch lagen. Sofort erkannte er, dass es sich bei dem Original um ein wertvolles, in gewissen Kreisen für eine schöne Summe Geldes verkaufbares Dokument handelte. Und er kann Geld in diesem Augenblick mehr als nur gut gebrauchen! Er hat es sogar in größerer Summe dringend nötig! Denn Mr. Joseph Harrison ist, wie Sherlock Holmes im Zuge seine Recherchen erfahren hat, ein vollkommen ruinierter Glücksspielsüchtiger! Er hat hohe Spielschulden angehäuft, sodass ihm jetzt seine Gläubiger ziemlich im Nacken sitzen. Deshalb wollte er den Vertrag so schnell als möglich bei einer ausländischen Macht zu Geld machen. Zu diesem Zweck versteckte er das Dokument unter den Bodenbrettern, wo es Holmes schließlich fand und an sich nahm. Aber dann ist ihm der Nervenzusammenbruch seines künftigen Schwagers in die Quere gekommen. Man hat nämlich genau das betreffende Zimmer, wo der wertvolle Schatz lag, zum Krankenzimmer umfunktionert. So gab es momentan keine Möglichkeit für den Spieler, ungesehen an das Dokument zu kommen. Daher wollte er es nachts holen. Und dabei wäre es ihm gerade recht gekommen, dass Percy auswärts übernachtete. Der sieht den Meisterdetektiv fassungslos an. Er kann einfach nicht glauben, wie tief sein künftiger Schwager, welchem er ebenfalls aus offenem Herzen freundschaftlich gegenübergetreten ist, gesunken sein soll. Und so fragt er Holmes zaghaft, ob dieser denn glaube, dass mit dem Schlimmsten zu rechen gewesen wäre. Also Joseph ihn, falls erforderlich, auch mit dem Messer angegriffen und vielleich umgebracht hätte! Holmes erklärt, dass er dies nicht genau sagen könne. Aber es wäre gewiß ein großer Fehler, wollte man sich bei einem Menschen in solch verzweifelter Lage auf Gnade und Barmherzigkeit verlassen. Es ist später im Übrigen noch zu erfahren, dass Lord Holdhurst für die Auszahlung einer stattlichen finanziellen Belohnung an Mr. Sherlock Holmes für die Wiederbeschaffung des Flottenvertrages gesorgt hat.

Dies ist auf Vermittlung von Mr. Sherlock Holmes geschehen. Das Geld wurde an Mr. Joseph Harrison weitergeleitet. Verbunden damit war die Auflage, Großbritannien umgehend zu verlassen. Der Spieler und Dieb sollte anderenorts versuchen, einen ehrbaren Neuanfang zu starten. Damit ist auch dieser Fall erfolgreich abgeschlossen.

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